Bevor du ein Projekt annimmst: so triffst du eine bessere Entscheidung

Nicht jedes Projekt ist ein gutes Projekt. Mit einem einfachen Framework prüfst du Kunden, Bedingungen und mögliche Warnsignale vor der Zusage.

Du hast eine Pro­jekt­an­fra­ge bekom­men und fragst dich: „Lohnt sich die­ses Pro­jekt für mich? Passt es zu mir? Und möch­te ich die nächs­ten Mona­te mit die­sen Men­schen unter den Bedin­gun­gen arbei­ten, die der Kun­de anbie­tet?“

Du möch­test alle wich­ti­gen Aspek­te berück­sich­ti­gen und nicht den­sel­ben Feh­ler machen wie viel­leicht schon ein­mal in der Ver­gan­gen­heit – mit einem Kun­den, der dich am Ende mehr Stress gekos­tet hat, als es wert war?

Aus eige­ner Erfah­rung weiß ich: man­che Kun­den lässt man bes­ser zie­hen.

In die­sem Arti­kel zei­ge ich dir Schritt für Schritt, wie du dich auf die Ent­schei­dung und das Gespräch mit einem poten­zi­el­len Kun­den vor­be­rei­ten kannst:

  1. Wel­che Kri­te­ri­en sind für dich wich­tig?
  2. Ein Frame­work, mit dem du dich auf das Gespräch vor­be­rei­test
  3. Wie stellst du die rich­ti­gen Fra­gen?
  4. Wor­auf soll­test du beson­ders ach­ten?

01 Kriterien: was macht ein gutes Projekt für dich aus?

Aus­gangs­punkt sind natür­lich alle Aspek­te der Zusam­men­ar­beit, die für dich wich­tig sind. Auch wenn du sie alle im Kopf hast, emp­feh­le ich dir, eine Lis­te dar­aus zu machen, die du regel­mä­ßig ergänzt.

Vor allem nach jedem abge­schlos­se­nem Pro­jekt.

Damit du nichts Wich­ti­ges über­siehst, kannst du dei­ne Kri­te­ri­en in ver­schie­de­ne Berei­che unter­tei­len:

Rah­men­be­din­gun­gen der Zusam­men­ar­beit: Remo­te/On-site, Rei­sen, Ver­füg­bar­keit, Aus­las­tung, Pro­jekt­dau­er, benö­tig­te Arbeits­ge­rä­te.

Finan­zen und Abrech­nung: Stundensatz/​Tagessatz, Abrech­nungs­mo­dell, zusätz­li­che Leis­tun­gen, Onboar­ding, Rei­se­zeit und Rei­se­kos­ten, Zah­lungs­zie­le, Ände­run­gen des Pro­jekt­um­fangs.

Pro­jekt und fach­li­cher Fit: Ziel und erwar­te­tes Ergeb­nis, Ver­ant­wor­tungs­be­reich, Tech Stack, aktu­el­ler Stand und Mach­bar­keit des Pro­jekts, Pas­sung zu dei­ner Erfah­rung, Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten.

Pro­jekt­orga­ni­sa­ti­on: wie vie­le Stake­hol­der sind betei­ligt, wie funk­tio­nie­ren Kom­mu­ni­ka­ti­on und Ent­schei­dungs­pro­zes­se und haben alle Betei­lig­ten eine ähn­li­che Vor­stel­lung vom Pro­jekt­ziel?

Kun­de und Zusam­men­ar­beit: Was erwar­tet der Kun­de von dir als Free­lan­cer, wie viel Auto­no­mie hast du, wie wer­den exter­ne Spe­zia­lis­ten behan­delt, wie funk­tio­nie­ren Kom­mu­ni­ka­ti­on und Feed­back, passt es zwi­schen­mensch­lich?

Risi­ko und Pro­jekt­his­to­rie: War­um braucht der Kun­de gera­de jetzt einen Free­lan­cer, was ist im Pro­jekt bis­her pas­siert, hat vor­her bereits jemand an dem The­ma gear­bei­tet, war­um wur­de die Zusam­men­ar­beit been­det und was wur­de bis­her ver­sucht, mit wel­chem Ergeb­nis?


02 Baue dein eigenes Framework zur Projektbewertung

Du kannst es auf einem ein­fa­chen Sche­ma auf­bau­en:

Dei­ne Erfah­run­gen → Prio­ri­sie­rung → Fra­gen zur Über­prü­fung → Warn­si­gna­le → Bedin­gun­gen der Zusam­men­ar­beit /​ Ver­trag


Beginne mit deinen bisherigen Erfahrungen

Schrei­be alle Situa­tio­nen und Bedin­gun­gen aus frü­he­ren Pro­jek­ten auf, die dir nicht gepasst haben. Schreib ein­fach alles auf.

Das müs­sen nicht nur Pro­jek­te sein, die du tat­säch­lich ange­nom­men hast. Bezie­he auch Gesprä­che mit poten­zi­el­len Kun­den ein.

Ordne sie nach Wichtigkeit

Löse die­se Punk­te jetzt von den ein­zel­nen Pro­jek­ten und fra­ge dich:

Was möch­test du auf kei­nen Fall noch ein­mal erle­ben?

Zum Bei­spiel:

  1. Wir hat­ten eine bestimm­te Aus­las­tung ver­ein­bart, aber im Lau­fe des Pro­jekts erwar­te­te der Kun­de, dass ich auch außer­halb der ver­ein­bar­ten Tage ver­füg­bar bin.
  2. Das Pro­jekt soll­te über­wie­gend remo­te statt­fin­den, aber mit der Zeit erwar­te­te der Kun­de immer häu­fi­ger, dass ich on-site arbei­te.
  3. Der Pro­jekt­um­fang war klar ver­ein­bart, aber im Lau­fe der Zusam­men­ar­beit kamen immer mehr zusätz­li­che Auf­ga­ben dazu, die „ein­fach noch“ mit erle­digt wer­den soll­ten.
  4. Es gab kei­nen kla­ren Ent­schei­dungs­trä­ger und unter­schied­li­che Stake­hol­der hat­ten wider­sprüch­li­che Erwar­tun­gen.
  5. Das Pro­jekt pass­te nicht zu mei­ner Erfah­rung oder mei­nem Tech Stack.

Du kannst zusätz­lich mar­kie­ren, wel­che Punk­te für dich Dealb­rea­k­er sind, wo du bereit bist zu ver­han­deln und was ledig­lich eine Prä­fe­renz ist.

Bereite für die wichtigsten Punkte Fragen vor

For­mu­lie­re zu dei­ner Lis­te Fra­gen, die du vor Beginn der Zusam­men­ar­beit stellst.

Neh­men wir an, das größ­te Pro­blem in dei­nem letz­ten Pro­jekt war, dass der Kun­de vol­le Ver­füg­bar­keit erwar­tet hat, obwohl du nur drei Tage pro Woche für ihn gear­bei­tet hast.

Dei­ne Bedin­gung lau­tet also:

Ich arbei­te drei Tage pro Woche für den Kun­den und muss außer­halb die­ser Tage nicht ver­füg­bar sein.

Mög­li­che Fra­gen wären:

„An wel­chen Tagen wird mei­ne Ver­füg­bar­keit erwar­tet?“

„Wie gehen Sie mit drin­gen­den The­men an Tagen um, an denen ich nicht für das Pro­jekt ein­ge­plant bin?“

„Gab es bis­her Situa­tio­nen, in denen exter­ne Mit­ar­bei­ter kurz­fris­tig außer­halb ihrer ver­ein­bar­ten Pro­jekt­ta­ge ver­füg­bar sein muss­ten?“

Überlege dir vorher, welche Antworten für dich Warnsignale sind

Es geht nicht nur dar­um, die rich­ti­gen Fra­gen vor­zu­be­rei­ten. Du soll­test auch wis­sen, wor­auf du bei den Ant­wor­ten ach­ten musst.

In unse­rem Bei­spiel könn­ten Ant­wor­ten wie die­se ein Warn­si­gnal sein:

„Eigent­lich drei Tage, aber bei wich­ti­gen The­men soll­ten Sie natür­lich erreich­bar sein.“

„Das lässt sich bei uns schwer so genau fest­le­gen. Wir brau­chen schon eine gewis­se Fle­xi­bi­li­tät.“

Achte auf Widersprüche

Bewer­te nicht nur ein­zel­ne Ant­wor­ten. Ach­te auch dar­auf, ob die Infor­ma­tio­nen, die du im Lau­fe des Pro­zes­ses bekommst, zuein­an­der pas­sen.

Der Ver­mitt­ler sagt, das Pro­jekt sei fast voll­stän­dig remo­te, der Mana­ger erwähnt regel­mä­ßi­ge Mee­tings im Büro und ein Team­mit­glied erzählt dir, dass eigent­lich alle zwei­mal pro Woche vor Ort sind?

Das soll­test du vor der Ver­trags­un­ter­zeich­nung klä­ren – und nicht erst, wenn das Pro­jekt bereits läuft.

Sichere die wichtigsten Bedingungen im Vertrag ab

Je wich­ti­ger eine Bedin­gung für dich ist, des­to weni­ger soll­test du dich aus­schließ­lich auf münd­li­che Abspra­chen ver­las­sen.

So gehst du Schritt für Schritt durch den gesam­ten Pro­zess:

Erfah­rung: Im letz­ten Pro­jekt erwar­te­te der Kun­de, dass ich auch außer­halb der ver­ein­bar­ten Tage ver­füg­bar bin.

Prio­ri­tät: Das möch­te ich nicht noch ein­mal – für mich ist es ein Dealb­rea­k­er.

Bedin­gung: Ich arbei­te an drei fest ver­ein­bar­ten Tagen pro Woche und muss an den ande­ren Tagen nicht ver­füg­bar sein.

Fra­gen: Wel­che Ver­füg­bar­keit wird kon­kret erwar­tet und was pas­siert bei drin­gen­den The­men? Wie wur­de das bis­her gehand­habt?

Warn­si­gnal: „Drei Tage, aber natür­lich brau­chen wir auch an den ande­ren Tagen eine gewis­se Fle­xi­bi­li­tät.“

Ent­schei­dung: Ich klä­re die Bedin­gung noch ein­mal /​ ver­hand­le nach oder leh­ne das Pro­jekt ab.

Ver­trag: Die ver­ein­bar­te Aus­las­tung und die Regeln zur Ver­füg­bar­keit wer­den ent­spre­chend im Ver­trag fest­ge­hal­ten.


03 Was kann in den einzelnen Bereichen stehen? Eine ausführlichere Liste

Wenn du über­legst, wor­auf du noch ach­ten soll­test, fin­dest du hier eine Lis­te mit Ideen für Kri­te­ri­en in den ein­zel­nen Berei­chen:

Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit

Remo­te, On-site und Rei­sen

Für man­che Free­lan­cer ist die Mög­lich­keit, remo­te zu arbei­ten, sogar wich­ti­ger als die Höhe des Stun­den­sat­zes. Des­halb soll­test du vor­her fest­le­gen, wie viel Prä­senz beim Kun­den für dich in Ord­nung ist und wo dei­ne Gren­ze liegt.

  • Anwe­sen­heits­pflicht ohne wirk­li­che Not­wen­dig­keit,
  • 100 % On-site,
  • zu vie­le Tage beim Kun­den,
  • kein Remo­te First,
  • Rei­se­auf­wand, der in kei­nem Ver­hält­nis zum Pro­jekt steht.

Pro­jekt­dau­er und Aus­las­tung

Auf den ers­ten Blick scheint es ein­fach: Je län­ger das Pro­jekt und je höher die Aus­las­tung, des­to bes­ser: du hast Arbeit und ein plan­ba­res Ein­kom­men. Genau hier kann aber eine trü­ge­ri­sche Sicher­heit ent­ste­hen.

Als Ver­mitt­le­rin im Free­lan­cer-Bereich habe ich erlebt, wie Free­lan­cer meh­re­re Jah­re mit 100 % Aus­las­tung für einen ein­zi­gen Kun­den gear­bei­tet haben. Wenn sich auf Kun­den­sei­te plötz­lich etwas änder­te und das Pro­jekt been­det wur­de, stan­den sie von einem Tag auf den ande­ren ohne ihre wich­tigs­te Ein­nah­me­quel­le, ohne ande­re Kun­den und ohne lau­fend auf­ge­bau­ten Pipe­line da. Beson­ders schmerz­haft, wenn sich die Markt­si­tua­ti­on inzwi­schen dras­tisch ver­schlech­tert hat­te.

Ein sehr lan­ges Pro­jekt mit hoher Aus­las­tung bedeu­tet des­halb nicht unbe­dingt Sicher­heit, son­dern kann auch eine star­ke Abhän­gig­keit von einem ein­zi­gen Kun­den schaf­fen.

Bei Pro­jek­ten, die von Anfang an auf meh­re­re Jah­re ange­legt sind, soll­test du dich außer­dem fra­gen, war­um das Unter­neh­men über­haupt so lan­ge einen Free­lan­cer benö­tigt und ob es sich tat­säch­lich noch um eine tem­po­rä­re Unter­stüt­zung durch einen exter­nen Spe­zia­lis­ten han­delt. In Deutsch­land kommt zusätz­lich das Risi­ko einer Schein­selbst­stän­dig­keit hin­zu.

Arbeits­ge­rä­te

Für man­che spielt auch eine Rol­le, ob sie ihre Arbeits­ge­rä­te und ihre tech­ni­sche Arbeits­um­ge­bung selbst wäh­len kön­nen.

Finanzen und Abrechnung

Zu nied­ri­ger Stun­den­satz

Natür­lich einer der häu­figs­ten Grün­de, ein Pro­jekt abzu­leh­nen:

  • der Stun­den­satz liegt unter dei­nem Mini­mum,
  • der Kun­de ver­sucht, den Preis stark her­un­ter­zu­han­deln,
  • die Ver­gü­tung passt nicht zur Ver­ant­wor­tung,
  • unkla­re Zah­lungs­fris­ten
  • unter Berück­sich­ti­gung des zusätz­li­chen Zeit- und Kos­ten­auf­wands rech­net sich das Pro­jekt nicht mehr.

Ich fin­de, dass wir dort, wo es mög­lich ist, stär­ker in Rich­tung einer Ver­gü­tung für das gesam­te Pro­jekt und das ver­ein­bar­te Ergeb­nis gehen soll­ten, statt aus­schließ­lich die geleis­te­ten Stun­den abzu­rech­nen.

Sehr gut fand ich einen Satz einer Free­lan­ce­rin, den ich auf Lin­ke­dIn gele­sen habe: „Will nicht für mei­ne Effi­zi­enz bestraft wer­den.“

Lei­der ist das nicht in jedem Bereich und bei jedem Pro­jekt mög­lich.

Zusätz­li­che und unbe­zahl­te Arbeit

Ein­zeln betrach­tet wir­ken die­se Punk­te viel­leicht harm­los. In der Pra­xis kön­nen sie die tat­säch­li­che Wirt­schaft­lich­keit eines Pro­jekts aber deut­lich ver­än­dern:

  • Onboar­ding,
  • zusätz­li­che Mee­tings,
  • Rei­sen und Rei­se­zeit,
  • zusätz­li­che Auf­ga­ben,
  • ein immer grö­ßer wer­den­der Pro­jekt­um­fang,
  • erwar­te­te Ver­füg­bar­keit außer­halb der ver­ein­bar­ten Zei­ten.

Unbe­zahl­tes Onboar­ding ist häu­fig ein The­ma bei Pro­jek­ten im öffent­li­chen Bereich.

Wenn du mehr dar­über erfah­ren möch­test, habe ich die­sem The­ma einen eige­nen Arti­kel gewid­met: Free­lan­cer gesucht: öffent­li­cher Sek­tor.

Projekt und fachlicher Fit

Unkla­res Pro­jekt­ziel und unkla­re Anfor­de­run­gen

Ein Kun­de kann nicht immer prä­zi­se sagen, was er braucht. Das ist an sich noch kein Pro­blem. Oft braucht er gera­de des­halb einen exter­nen Exper­ten.

Pro­ble­ma­tisch wird es, wenn die Unklar­heit so groß ist, dass das Risi­ko zuneh­mend bei dir lan­det:

  • es ist nicht klar, was über­haupt erreicht wer­den soll,
  • die Auf­ga­be ist schlecht defi­niert,
  • es ist nicht klar, für wel­ches Ergeb­nis du am Ende ver­ant­wort­lich bist,
  • schon in den ers­ten Gesprä­chen lässt sich dein kon­kre­ter Ver­ant­wor­tungs­be­reich wenig fest­le­gen.

Feh­len­der fach­li­cher Fit /​ fal­scher Tech Stack

Es kommt gar nicht so sel­ten vor, dass ein Pro­jekt bei einem Free­lan­cer lan­det, obwohl die Anfor­de­run­gen nicht wirk­lich zu sei­ner Erfah­rung pas­sen. Der Ver­mitt­ler oder Kun­de hat die Kri­te­ri­en falsch defi­niert, das Pro­fil nicht rich­tig ver­stan­den oder sich gedacht: „Das wird schon irgend­wie.“

Das Pro­blem ist, dass die Kon­se­quen­zen die­ses Feh­lers am Ende bei dir lan­den kön­nen.

Wenn du nicht die rich­ti­ge Per­son für die Auf­ga­be bist, heißt es spä­ter viel­leicht nicht: „Wir haben den fal­schen Free­lan­cer aus­ge­wählt“, son­dern: „Der Free­lan­cer hat es nicht geschafft.“

Dazu kom­men Stress, wenig Zufrie­den­heit mit der eige­nen Arbeit und gerin­ge Chan­cen auf wirk­lich gute Refe­ren­zen oder Emp­feh­lun­gen.

Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten und fach­li­che Attrak­ti­vi­tät

Geld muss nicht das ein­zi­ge Kri­te­ri­um sein. Ein Pro­jekt kann für dich auch des­halb attrak­tiv sein, weil du:

  • dich fach­lich wei­ter­ent­wi­ckeln kannst,
  • neue The­men oder Tech­no­lo­gien ken­nen­lernst,
  • mehr Ver­ant­wor­tung über­neh­men kannst,
  • Erfah­run­gen sam­melst, die spä­ter für dich wert­voll sind,
  • dein Port­fo­lio sinn­voll ergän­zen kannst.

Mach­bar­keit des Pro­jekts

  • unrea­lis­ti­sche Dead­lines,
  • feh­len­de Res­sour­cen,
  • wider­sprüch­li­che Anfor­de­run­gen,
  • ein erwar­te­tes Ergeb­nis, das unter den gege­be­nen Bedin­gun­gen kaum erreich­bar ist.

Projektorganisation

Cha­os, Ver­ant­wort­lich­kei­ten und Ent­schei­dungs­pro­zes­se

Unter­schied­li­che Stake­hol­der kön­nen völ­lig unter­schied­li­che Erwar­tun­gen haben. Abspra­chen ändern sich mög­li­cher­wei­se je nach­dem, mit wem du gera­de sprichst.

Ach­te des­halb schon wäh­rend der ers­ten Gesprä­che dar­auf:

  • wer am Pro­zess betei­ligt ist,
  • wer tat­säch­lich Ent­schei­dun­gen trifft,
  • ob Ver­ant­wort­lich­kei­ten klar ver­teilt sind,
  • ob unter­schied­li­che Per­so­nen dir kon­sis­ten­te Infor­ma­tio­nen geben,
  • wie lan­ge selbst rela­tiv ein­fa­che Ent­schei­dun­gen dau­ern.

Schon der Pro­zess vor Beginn der Zusam­men­ar­beit kann dir eini­ges dar­über ver­ra­ten, wie das Pro­jekt spä­ter lau­fen wird.

Kunde und Art der Zusammenarbeit

Sym­pa­thie, Umgang mit­ein­an­der und Hal­tung des Kun­den

Die­ses Kri­te­ri­um ist weni­ger mess­bar, aber des­halb nicht weni­ger wich­tig:

  • Sprichst du ger­ne mit die­sen Men­schen?
  • Hast du das Gefühl, dass dei­ne Exper­ti­se und dei­ne Zeit respek­tiert wer­den?
  • Behan­delt dich der Kun­de als exter­nen Spe­zia­lis­ten oder eher wie einen zusätz­li­chen Mit­ar­bei­ter?
  • Wie reagiert er auf eine ande­re Mei­nung?
  • Wie kom­mu­ni­ziert er sei­ne Erwar­tun­gen?
  • Wie viel Auto­no­mie ist er bereit, dir zu geben?

Für mich ist das gleich­zei­tig eines der schwie­rigs­ten Kri­te­ri­en, die man vor­ab ein­schät­zen kann. Eigent­lich scheint es ganz ein­fach: Du sprichst mit jeman­dem und merkst, ob es zwi­schen­mensch­lich passt.

Der ers­te Ein­druck kann lei­der sehr täu­schen. Ein posi­ti­ver Ein­druck ist wich­tig, soll­te aber nicht dei­ne ein­zi­ge Infor­ma­ti­ons­quel­le für die spä­te­re Zusam­men­ar­beit sein.

Unrea­lis­ti­sche Erwar­tun­gen

Die Alarm­glo­cken soll­ten auch dann ange­hen, wenn die Erwar­tun­gen des Kun­den nicht zu den ange­bo­te­nen Rah­men­be­din­gun­gen pas­sen:

  • hohe Ver­füg­bar­keit bei gerin­ger Aus­las­tung,
  • stän­di­ge Fle­xi­bi­li­tät, die vor allen von dir erwar­tet wird.

Wer­te und Ethik

Eine Rol­le kann auch spie­len, für wen und wor­an du arbei­test.

Ein Aus­schluss­kri­te­ri­um kön­nen sein:

  • Indus­trie: Rüs­tungs­in­dus­trie, Pro­duk­ti­on von Alko­hol oder Tabak­pro­duk­ten, Tier­hal­tung und Schlach­tung
  • ein Pro­dukt, das nicht zu dei­nen Wer­ten passt
  • Orga­ni­sa­tio­nen, mit denen du beruf­lich nicht in Ver­bin­dung gebracht wer­den möch­test.

Nicht alles lässt sich in einen Stun­den­satz umrech­nen.

Risiko und Projekthistorie

Es gibt noch einen Bereich, den man leicht ver­gisst: Was ist in die­sem Pro­jekt eigent­lich pas­siert, bevor du ins Spiel gekom­men bist?

War­um sucht das Unter­neh­men gera­de jetzt einen Free­lan­cer? Hat vor­her schon jemand an die­sem The­ma gear­bei­tet? War­um ist die­se Per­son gegan­gen? Wird das Pro­jekt gera­de erst auf­ge­baut oder ver­sucht man seit Mona­ten, etwas zu ret­ten, das nicht funk­tio­niert? Was wur­de bereits ver­sucht – und mit wel­chem Ergeb­nis?

Dahin­ter muss nichts Pro­ble­ma­ti­sches ste­cken. Die Vor­ge­schich­te eines Pro­jekts kann dir aber sehr viel dar­über ver­ra­ten, wor­auf du dich tat­säch­lich ein­lässt.


Willst du deine Position in Kundengesprächen stärken?

Eine kla­re Posi­tio­nie­rung hilft dir nicht nur dabei, die rich­ti­gen Pro­jek­te zu gewin­nen. Sie macht es auch leich­ter, dei­nen Wert zu kom­mu­ni­zie­ren, Bedin­gun­gen zu ver­han­deln und Pro­jek­te abzu­leh­nen, die nicht zu dir pas­sen.

Im Pro­fil-Check schau­en wir uns gemein­sam an, wie du aktu­ell auf poten­zi­el­le Kun­den wirkst und wo du dei­ne Posi­tio­nie­rung noch schär­fen kannst.

Pro­fil-Check ver­ein­ba­ren