Warum Projektakquise so schwerfällt.

Akquise ist mehr als eine gute Strategie. Sie ist genauso eine mentale Herausforderung.

Neue Pro­jek­te und Kun­den zu gewin­nen gehört nicht gera­de zu den Auf­ga­ben, auf die wir uns schon am Mor­gen freu­en.

Ich möch­te dir zei­gen, war­um Akqui­se nicht nur eine stra­te­gi­sche, son­dern auch eine men­ta­le Her­aus­for­de­rung ist. Und war­um die bes­te Stra­te­gie allein oft nicht aus­reicht.

In die­sem Arti­kel erfährst du:

  • war­um Stra­te­gie und Men­ta­li­tät zusam­men­ge­hö­ren
  • wel­che Erkennt­nis­se ich aus mei­ner Arbeit mit Free­lan­cern gewon­nen habe
  • und was du tun kannst, damit Akqui­se weni­ger Ener­gie kos­tet

Neue Pro­jek­te und Kun­den zu gewin­nen gehört nicht gera­de zu den Auf­ga­ben, auf die wir uns schon am Mor­gen freu­en.

Ich habe aber ein paar Erkennt­nis­se gesam­melt, die dir hel­fen kön­nen, das The­ma etwas anders zu sehen und ihm ein wenig von sei­ner Schwe­re zu neh­men.

Kun­den­ge­win­nung hat zwei Ebe­nen: eine stra­te­gisch-metho­di­sche und eine men­ta­le. Bei­de sind wich­tig. Sich nur auf eine davon zu kon­zen­trie­ren und die ande­re zu igno­rie­ren, führt nur sel­ten zum Erfolg. Das sehe ich prak­tisch jeden Tag in mei­ner Arbeit.

Die stra­te­gi­sche Ebe­ne beant­wor­tet die Fra­gen: Wie brin­ge ich mein Ange­bot auf den Punkt? Wen spre­che ich an? Und wo fin­de ich über­haupt pas­sen­de Unter­neh­men?

Die men­ta­le Ebe­ne ent­schei­det dar­über, ob du die­sen Pro­zess wirk­lich durch­ziehst oder beim ers­ten Wider­stand wie­der auf­hörst.


01 Die erste Ebene: Strategie, also was und für wen?

Die­se Ebe­ne ist, ent­ge­gen aller Erwar­tun­gen, gar nicht so kom­pli­ziert, wie vie­le den­ken.

Vie­le glau­ben, sie bräuch­ten irgend­ein geheim­nis­vol­les „Sys­tem“, das ein­fach funk­tio­niert. Genau so wer­den auch vie­le Pro­gram­me für Free­lan­cer ver­packt und ver­kauft.

Am Ende besteht die­ses geheim­nis­vol­le „Sys­tem“ fast immer aus den­sel­ben Bau­stei­nen:

#1 Die ers­te Ana­ly­se: Wor­in bist du wirk­lich gut und was machst du ger­ne? Wo kannst du für Kun­den nach­weis­ba­re Ergeb­nis­se lie­fern? Was sind dei­ne Stär­ken? Was unter­schei­det dich von ande­ren? Aus wel­chen Talen­ten und Erfah­run­gen setzt sich dein Pro­fil zusam­men? (Nisching up)

#2 Die zwei­te Ana­ly­se: Wel­cher Kun­de passt am bes­ten zu dir? Für wen möch­test du arbei­ten und wer braucht gleich­zei­tig genau dei­ne Leis­tun­gen? Es geht dar­um, die rich­ti­gen Seg­men­te aus­zu­wäh­len, und zwar auf Basis von Markt­da­ten. Schließ­lich möch­test du dort arbei­ten, wo gera­de nicht die größ­te Kri­se herrscht. (Nisching down)

#3 Die Spra­che dei­ner Kun­den ver­ste­hen. Wer trifft die Ent­schei­dun­gen? Wel­che Pain Points haben die­se Men­schen? Das ist wahr­schein­lich der am meis­ten unter­schätz­te Schritt und gleich­zei­tig einer der wich­tigs­ten.

#4 Das Ange­bot ent­wi­ckeln. Im Grun­de nach fol­gen­dem Prin­zip:

Pain Point → dein Ver­spre­chen, dass es nicht mehr weh tut → das ist mein Schmerz­mit­tel → hier ist ein Bei­spiel, dass es funk­tio­niert hat.

Natür­lich ist das stark ver­ein­facht. Nicht jede Free­lan­cer-Dienst­leis­tung lässt sich so gerad­li­nig dar­stel­len. Aber die­ses Prin­zip gibt eine gute Ori­en­tie­rung, wie du dein Ange­bot auf­bau­en kannst.

#5 Anschlie­ßend suchst du nach Infor­ma­tio­nen: Wie errei­che ich mei­ne poten­zi­el­len Kun­den? Wo sind sie aktiv? Auf Lin­ke­dIn? Auf Mes­sen? Oder funk­tio­niert Direkt­mai­ling viel­leicht bes­ser? Wel­che Mate­ria­li­en brau­che ich noch?

Der Ablauf sieht unge­fähr so aus:

→ Ana­ly­sen, die zur Posi­tio­nie­rung füh­ren → Ers­te Ver­si­on bzw. ers­ter Ent­wurf des Ange­bots → Gesprä­che mit poten­zi­el­len Kun­den aus dem gewähl­ten Seg­ment: Wor­über spre­chen dei­ne Kun­den, und wie beschrei­ben sie ihre Pro­ble­me? → Ange­bot über­ar­bei­ten → Und dann der Welt zei­gen.

Ab jetzt beginnt die eigent­li­che Akqui­se: Kanä­le, Kon­tak­te, pas­sen­de For­ma­te und Inhal­te, Gesprä­che, Fol­low-ups.


02 Drei wichtige Erkenntnisse über Akquise

1. Weder dei­ne Ziel­seg­men­te noch dein Ange­bot sind für immer in Stein gemei­ßelt.

Mit jedem Pro­jekt und jedem Gespräch mit poten­zi­el­len Kun­den bekommst du neue Infor­ma­tio­nen. Über ihre Bedürf­nis­se, über den Markt, über typi­sche Her­aus­for­de­run­gen, aber auch über dich selbst.

2. Wäh­rend der Akqui­se wirst du mer­ken, dass eini­ge dei­ner ursprüng­li­chen Annah­men falsch waren.

Manch­mal sieht die Situa­ti­on schlech­ter aus, als du erwar­tet hast. Manch­mal ent­deckst du aber auch Mög­lich­kei­ten, die du vor­her gar nicht gese­hen hast.

Selbst inner­halb der­sel­ben Bran­che kön­nen die Unter­schie­de enorm sein.

3. Wenn du dei­ne gesam­te Ana­ly­se auf KI stützt und sie zu dei­ner wich­tigs­ten Infor­ma­ti­ons­quel­le über Markt, Kun­den und deren Spra­che machst, wirst du sehr viel Zeit ver­lie­ren.

Mai­ling-Auto­ma­ti­sie­rung, AI Work­flows und ande­re Tools brin­gen dir kei­ne Ergeb­nis­se, wenn dein poten­zi­el­ler Kun­de sich in dei­ner Nach­richt nicht wie­der­erkennt – selbst dann nicht, wenn du sei­ne Pro­ble­me kennst und die pas­sen­de Lösung dafür hast.

Die Ana­ly­se dei­ner Stär­ken, die Spra­che dei­ner Kun­den und die Ent­wick­lung dei­nes Ange­bots – das ist dei­ne Auf­ga­be, nicht die der KI.

KI kann den direk­ten Aus­tausch mit dem Markt nicht erset­zen.

Wo kann KI dich dage­gen sehr gut unter­stüt­zen? Bei der Recher­che von Markt­da­ten für die Seg­ment­ana­ly­se, beim Struk­tu­rie­ren dei­nes Ange­bots oder beim Über­ar­bei­ten dei­ner Tex­te.

Ich schrei­be das, weil ich immer wie­der sehe, dass vie­le geschei­ter­te Akqui­se­ver­su­che auf dem basie­ren, was Chat aus­ge­spuckt hat. Und das ent­spricht oft weder der Rea­li­tät noch der tat­säch­li­chen Situa­ti­on dei­ner poten­zi­el­len Kun­den. Eigent­lich ist es sogar meis­tens nicht der Fall.


03 Die zweite Ebene: Die mentale und persönliche Herausforderung

Ich glau­be, nie­mand wird mir wider­spre­chen, wenn ich sage, dass die IT eher intro­ver­tiert ist und Small Talk nicht unbe­dingt liebt.

Des­halb habe ich zwei Nach­rich­ten für dich. Bei­de sind schlecht.

Ich weiß, dass du dich eher als jemand siehst, der kom­ple­xe tech­ni­sche Pro­ble­me löst und nicht als jemand, der Mar­ke­ting macht. Akqui­se wird des­halb immer bis zu einem gewis­sen Grad her­aus­for­dernd blei­ben.

Die zwei­te schlech­te Nach­richt ist: Die men­ta­le Arbeit, die das Ver­las­sen der berühm­ten “Kom­fort­zo­ne” mit sich bringt, kannst du an nie­man­den abge­ben.

Kein „Sys­tem“, kein Ver­kaufs­kurs, nicht ein­mal ein Coach wird dir die­se Arbeit abneh­men.

Wie kannst du also an Akquise herangehen, damit sie weniger weh tut und deine Strategie tatsächlich Ergebnisse bringt?

  • Triff eine Ent­schei­dung, über­nimm Ver­ant­wor­tung und sei ehr­lich zu dir selbst.
  • Bleib aktiv, offen und solu­ti­on-dri­ven.

    Ver­su­che den Pro­zess zu ver­ste­hen, fin­de neue Wege, den Markt zu ana­ly­sie­ren, neue Kon­takt­mög­lich­kei­ten und bes­se­re Metho­den, dei­ne Anfra­gen zu for­mu­lie­ren.
    Anstatt zu sagen: „Das funk­tio­niert nicht“, frag dich: „Was könn­te ich statt­des­sen aus­pro­bie­ren?“
    Was bei einer Per­son funk­tio­niert, muss bei dir noch lan­ge nicht funk­tio­nie­ren und umge­kehrt.
  • Ver­su­che, dei­ne Sicht auf das The­ma lang­sam zu ver­än­dern. Betrach­te es als: „Ich tes­te den Markt.“

    Nichts von dem, was du tust, sagt etwas über dei­nen Wert aus.
    Schwei­gen oder aus­blei­ben­de Ant­wor­ten sind ein Signal und kei­ne Bewer­tung dei­nes Wer­tes als Free­lan­cer oder als Mensch. Ein Signal dafür, dass ent­we­der gera­de nicht der rich­ti­ge Zeit­punkt ist (→ des­halb sind Fol­low-ups wich­tig) oder dass es nicht die rich­ti­ge Ansprech­per­son war (→ des­halb brauchst du mehr Kon­tak­te).
  • Nimm dir bewusst Zeit dafür und miss, wie viel du tat­säch­lich gemacht hast, bevor du beur­teilst, was funk­tio­niert und was nicht.
  • Schaf­fe dir eine Struk­tur, die zu dir passt, und ver­su­che, die­se Art von Auf­ga­ben fest in dei­nen Arbeits­all­tag ein­zu­bau­en.
  • Pas­se die Art dei­ner Auf­ga­ben an dei­ne Ener­gie an.

    Wäh­le die Auf­ga­ben, bei denen du den gerings­ten Wider­stand spürst.
    Es gibt Tage, an denen wir uns offe­ner und extro­ver­tier­ter füh­len. Nut­ze die­se Tage für schwie­ri­ge­re Auf­ga­ben, wie den direk­ten Kon­takt oder sogar Tele­fo­na­te.
    Wenn du heu­te kei­ne Ener­gie hast, frem­de Men­schen auf Lin­ke­dIn anzu­schrei­ben, dann suche an die­sem Tag ein­fach nur pas­sen­de Pro­fi­le.
    Kannst du Lin­ke­dIn gera­de nicht mehr sehen? Dann suche statt­des­sen nach Unter­neh­men oder Ver­an­stal­tun­gen aus dei­nem Seg­ment.
  • Wenn dich eine Auf­ga­be über­for­dert, mach sie klei­ner, aber ver­schie­be sie nicht.

    Ler­ne, dein Gehirn ein biss­chen aus­zu­trick­sen, damit es nicht sofort in den Alarm­mo­dus geht. Eine zu gro­ße Auf­ga­be bedeu­tet für unser Gehirn Gefahr.
    Wenn du heu­te nur 10 % von dem schaffst, was du dir vor­ge­nom­men hast, ist das immer noch mehr als 0 %.

Die­se letz­ten drei Punk­te hel­fen dir dabei, das The­ma nicht stän­dig vor dir her­zu­schie­ben.

Und falls es doch ein­mal pas­siert, dass du die Akqui­se für eine Zeit lang “ver­gisst”, wird es dir deut­lich leich­ter fal­len, wie­der ein­zu­stei­gen, wenn du bereits über die Werk­zeu­ge, Abläu­fe und ver­schie­de­ne Arten von Akti­vi­tä­ten ver­fügst.


Akqui­se ist im Grun­de genau wie das Ler­nen einer Spra­che.

Ein Moti­va­ti­ons­schub und drei Stun­den Ler­nen wer­den dei­ne Situa­ti­on nicht ver­än­dern. Ein paar Minu­ten jeden Tag über meh­re­re Wochen dage­gen schon.

Am Anfang ist es unan­ge­nehm und man traut sich kaum zu spre­chen. Die Angst, bewer­tet zu wer­den, lähmt uns. Um uns vor die­sem Unbe­ha­gen zu schüt­zen, begin­nen wir, sol­che Situa­tio­nen zu ver­mei­den.

Genau so funk­tio­niert Selbst­sa­bo­ta­ge: Das Ver­mei­den des The­mas ver­spricht uns kurz­fris­tig Erleich­te­rung und das Gefühl, Ener­gie zu spa­ren. Tat­säch­lich bekom­men wir aber mehr Stress und ver­lie­ren noch mehr Ener­gie.

Para­do­xer­wei­se kann sich die­ses Unbe­ha­gen erst auf­lö­sen, wenn wir bereit sind, es zuzu­las­sen.

Bevor du also das nächs­te Mal eine Auf­ga­be ver­mei­dest, auf die du kei­ne Lust hast, frag dich: Was ver­spricht mir gera­de mein inne­rer Sabo­teur? Denn egal, was er dir ver­spricht — am Ende pas­siert genau das Gegen­teil.


Möch­test du die­sen Weg nicht allei­ne gehen?

In mei­nem Free­lan­cer-Pro­gramm arbei­ten wir genau an die­sen bei­den Ebe­nen: an dei­ner Stra­te­gie und an dei­ner men­ta­len Stär­ke.

Gemein­sam ent­wi­ckeln wir dei­ne Posi­tio­nie­rung, dein Ange­bot und eine Akqui­se-Struk­tur, die zu dir passt. Gleich­zei­tig unter­stüt­ze ich dich dabei, dran­zu­blei­ben, auch wenn Akqui­se sich manch­mal unbe­quem anfühlt.

Mehr über das Pro­gramm fin­dest du hier: MATCHED.Projects — Free­lan­cer Pro­gramm