Mehr als eine Nische. Warum funktioniert Positionierung eigentlich?

Die Wahl einer Nische oder Technologie ist nur ein kleiner Teil deiner Positionierung. Der eigentliche Grund, warum Positionierung funktioniert, liegt deutlich tiefer.

Als IT-Free­lan­cer hörst du bestimmt ziem­lich oft, dass du dich bes­ser posi­tio­nie­ren sollst: eine Nische fin­den oder eine Spe­zia­li­sie­rung wäh­len, um ein­fa­cher neue Kun­den oder Pro­jek­te zu gewin­nen.

Vor allem jetzt, wo der Markt schwie­ri­ger gewor­den ist.

Viel­leicht fragst du dich:

War­um soll­te mir das hel­fen, wenn es sowie­so so wenig Pro­jek­te gibt?

Ehr­lich gesagt müs­sen weder die Wahl einer Nische noch eine Spe­zia­li­sie­rung dazu füh­ren, dass du leich­ter neue Pro­jek­te gewinnst. Im Gegen­teil: Sie kön­nen dir sogar scha­den, wenn du sol­che Ent­schei­dun­gen triffst, ohne den Markt zu ana­ly­sie­ren.

Damit Posi­tio­nie­rung funk­tio­niert, musst du deut­lich mehr Fak­to­ren berück­sich­ti­gen als nur die Tech­no­lo­gie.

Die Begrif­fe Spe­zia­li­sie­rung, Nische und Posi­tio­nie­rung wer­den häu­fig syn­onym ver­wen­det und mit­ein­an­der ver­wech­selt. In die­sem Arti­kel zei­ge ich dir des­halb:

  • was Posi­tio­nie­rung nicht bedeu­tet,
  • war­um sie weit mehr bedeu­tet als die Wahl einer Nische oder Tech­no­lo­gie,
  • war­um Posi­tio­nie­rung über­haupt funk­tio­niert,
  • und wes­halb sie gera­de heu­te einer der wich­tigs­ten Erfolgs­fak­to­ren für Free­lan­cer und Tech-Pro­fis ist.

Als IT-Free­lan­cer hörst du bestimmt ziem­lich oft, dass du dich bes­ser posi­tio­nie­ren sollst: eine Nische fin­den oder eine Spe­zia­li­sie­rung wäh­len, um ein­fa­cher neue Kun­den oder Pro­jek­te zu gewin­nen.

Vor allem jetzt, wo der Markt schwie­ri­ger gewor­den ist.

Viel­leicht fragst du dich:

War­um soll­te mir das hel­fen, wenn es sowie­so so wenig Pro­jek­te gibt?

Ehr­lich gesagt müs­sen weder die Wahl einer Nische noch eine Spe­zia­li­sie­rung dazu füh­ren, dass du leich­ter neue Pro­jek­te gewinnst. Im Gegen­teil: Sie kön­nen dir sogar scha­den, wenn du sol­che Ent­schei­dun­gen triffst, ohne den Markt zu ana­ly­sie­ren.

Damit Posi­tio­nie­rung funk­tio­niert, musst du deut­lich mehr Fak­to­ren berück­sich­ti­gen als nur die Tech­no­lo­gie.

Die Begrif­fe Spe­zia­li­sie­rung, Nische und Posi­tio­nie­rung wer­den häu­fig syn­onym ver­wen­det und mit­ein­an­der ver­wech­selt. In die­sem Arti­kel zei­ge ich dir des­halb:

  • was Posi­tio­nie­rung nicht bedeu­tet,
  • war­um sie weit mehr bedeu­tet als die Wahl einer Nische oder Tech­no­lo­gie,
  • war­um Posi­tio­nie­rung über­haupt funk­tio­niert,
  • und wes­halb sie gera­de heu­te einer der wich­tigs­ten Erfolgs­fak­to­ren für Free­lan­cer und Tech-Pro­fis ist.

01 Was Positionierung nicht ist.

Du hast bestimmt schon unzäh­li­ge Male gehört, dass eine gute Spe­zia­li­sie­rung der Schlüs­sel zu neu­en Projekten/​Jobs ist.

Als Para­de­bei­spiel wer­den meist SAP-Spe­zia­lis­ten genannt, weil sie trotz der Kri­se im IT-Markt immer noch hohe Tages­sät­ze erzie­len.

Wahr­schein­lich gehen dir gera­de zwei Din­ge durch den Kopf:

Ers­tens: Wenn ich mich so stark auf eine Tech­no­lo­gie oder einen Unter­neh­mens­typ spe­zia­li­sie­re, ent­ge­hen mir doch vie­le ande­re Pro­jek­te, die ich genau­so gut über­neh­men könn­te.

Und zwei­tens: Offen­bar habe ich damals ein­fach auf die fal­sche Tech­no­lo­gie gesetzt. Ich woll­te zwar nie SAP-Spe­zia­list wer­den, aber jetzt zah­le ich wohl den Preis dafür.

Genau die­ses Den­ken führt dazu, dass die IT-Posi­tio­nie­rung häu­fig miss­ver­stan­den wird. Als wäre es irgend­wann zu spät, weil man sich ein­mal für die „fal­sche“ Tech­no­lo­gie ent­schie­den hat.

Posi­tio­nie­rung bedeu­tet nicht, sich für eine bestimm­te Tech­no­lo­gie zu ent­schei­den. Die Tech­no­lo­gie ist nur ein Bau­stein des gesam­ten Posi­tio­nie­rungs­pro­zes­ses.


Vie­le Free­lan­cer den­ken bei der Kun­den­ge­win­nung in Kate­go­rien des soge­nann­ten Total Addressa­ble Mar­ket (TAM), also aller Unter­neh­men, die grund­sätz­lich an ihrer Tech­no­lo­gie inter­es­siert sein könn­ten.


In Wirk­lich­keit besteht die­ser Markt aus klei­ne­ren Grup­pen: Seg­men­ten und Nischen, die trotz der­sel­ben Tech­no­lo­gie ganz unter­schied­li­che Pro­ble­me und Bedürf­nis­se haben.


02 Wie entsteht deine Positionierung also wirklich?

Sobald du den Unter­schied zwi­schen die­sen Begrif­fen ver­stehst, wird vie­les kla­rer:

Seg­ment: Für wen arbei­test du?

z. B. mit­tel­stän­di­sche Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men.

Nische (Pro­blem): Wel­ches kon­kre­te Pro­blem löst du und für wen?

z. B. Digi­ta­li­sie­rung tech­ni­scher Ser­vice­pro­zes­se

Spe­zia­li­sie­rung: Wor­in liegt dei­ne fach­li­che Exper­ti­se?

z. B. Soft­ware­ar­chi­tek­tur, Mobi­le Apps oder KI-Inte­gra­ti­on.

Posi­tio­nie­rung: War­um soll­te sich ein Kun­de gera­de für dich ent­schei­den?

z. B. Ich ent­wick­le digi­ta­le Lösun­gen, die Geschäfts­zie­le, tech­ni­sche Anfor­de­run­gen und die Men­schen im Unter­neh­men zusam­men­brin­gen

Mit der­sel­ben Spe­zia­li­sie­rung kannst du 75 oder 100 Euro pro Stun­de ver­die­nen. Oder du ver­kaufst gar kei­ne Stun­den mehr, son­dern kom­plet­te Pro­jek­te — je nach­dem, in wel­chem Seg­ment du unter­wegs bist.

Seg­ment, Nische und Spe­zia­li­sie­rung sind Bestand­tei­le dei­ner Posi­tio­nie­rung.
Sie sind aber nicht die Posi­tio­nie­rung selbst.

Bevor das funk­tio­niert, musst du vor­her:

  • dei­ne eige­nen Stär­ken ken­nen und benen­nen kön­nen,
  • die Kun­den fin­den, mit denen du arbei­ten möch­test und die bereit sind, für dei­ne Fähig­kei­ten zu bezah­len,
  • ihre Pro­ble­me wirk­lich ver­ste­hen,
  • und die Spra­che ler­nen, mit der sie über die­se Pro­ble­me spre­chen.

Warum sollte das funktionieren?

Ein bes­se­res Ange­bot? Bes­se­res Mar­ke­ting? Ideen, wie du direkt Kun­den fin­dest? Eine Spra­che, die die­se Kun­den wirk­lich anspricht? Eine fokus­sier­te­re und weni­ger anstren­gen­de Akqui­se? Ja, das alles erreichst du mit star­ker Posi­tio­nie­rung. Ver­spro­chen.

Aber das sind letzt­lich die Fol­gen einer guten Posi­tio­nie­rung.

Der eigent­li­che Grund, war­um Posi­tio­nie­rung funk­tio­niert, liegt auf einer viel tie­fe­ren Ebe­ne. Viel­leicht sogar auf einer exis­ten­zi­el­len.

Je län­ger ich Men­schen beglei­te, des­to mehr bin ich über­zeugt: Vie­le beruf­li­che Fra­gen las­sen sich nicht allein durch Markt­ana­ly­sen, Stra­te­gien oder bes­se­re Bewer­bungs­un­ter­la­gen beant­wor­ten. Die ent­schei­den­den Ant­wor­ten tra­gen wir oft längst in uns.

Deine Talente werden gebraucht.

Jeder Mensch trägt bestimm­te Talen­te und eine eige­ne Auf­ga­be in sich.

Ich bin über­zeugt, dass unse­re Talen­te nicht zufäl­lig da sind und einen tie­fe­ren Sinn haben. Wenn du dei­ne Talen­te nutzt, bringst du dich selbst zum Aus­druck und hilfst gleich­zei­tig ande­ren Men­schen.

Genau das ist der beruf­li­che Ide­al­zu­stand, nach dem wir eigent­lich stre­ben.

Die Tech­no­lo­gie, mit der du heu­te arbei­test, hast du bestimmt nicht zufäl­lig gewählt. Sie ist aber oft nur der ers­te sicht­ba­re Aus­druck des­sen, was dir liegt und erzählt noch längst nicht die gan­ze Geschich­te.

Was dich wirklich auszeichnet, ist viel mehr als Technologie.

Im Lau­fe dei­nes Berufs­le­bens und durch dei­ne per­sön­li­chen Erfah­run­gen hast du Fähig­kei­ten trai­niert, die sich kei­ner Tech­no­lo­gie zuord­nen las­sen. Das sind soge­nann­te über­trag­ba­re Fähig­kei­ten.

Egal, wie sich der Markt ver­än­dert und wo du arbei­test — auf die­se Fähig­kei­ten kannst du immer zurück­grei­fen.

Was sind über­trag­ba­re Fähig­kei­ten?

Es sind all die Din­ge, die dir ganz natür­lich leicht­fal­len. Die Art, wie du ganz selbst­ver­ständ­lich an Pro­ble­me her­an­gehst. Auf­ga­ben, die ande­re viel­leicht ver­mei­den, die du dage­gen ohne inne­ren Wider­stand erle­digst. Situa­tio­nen, in denen dir selbst meh­re­re Stun­den kon­zen­trier­ter Arbeit mehr Ener­gie geben, als sie dir neh­men.

Genau das ist der Teil dei­ner Posi­tio­nie­rung, der dich wirk­lich von ande­ren unter­schei­det.

Ein paar Beispiele:

Ent­wick­ler für mobi­le Anwen­dun­gen

spricht ger­ne mit Mit­ar­bei­ten­den, ana­ly­siert inter­ne Pro­zes­se und erkennt Lösun­gen für tech­ni­sche Her­aus­for­de­run­gen, die ande­re über­se­hen, weil er sich in die Nut­zer hin­ein­ver­set­zen kann.

Ich ent­wick­le digi­ta­le Lösun­gen, die Men­schen, Pro­zes­se und Tech­no­lo­gie mit­ein­an­der ver­bin­den.

Soft­ware­ent­wick­ler

kom­mu­ni­ziert mühe­los mit nicht-tech­ni­schen Stake­hol­dern und über­setzt tech­ni­sche Zusam­men­hän­ge in eine ver­ständ­li­che Spra­che.

Ich arbei­te pro­blem­los an der Schnitt­stel­le zwi­schen Ent­wick­lung und Fach­be­reich oder Kun­de.

UX/UI-Desi­gner

arbei­tet ger­ne mit Daten, erkennt Mus­ter und zieht dar­aus die rich­ti­gen Schlüs­se.

Ich arbei­te ger­ne in stark regu­lier­ten Berei­chen, in denen Ent­schei­dun­gen auf Daten, Sicher­heit und kla­ren Anfor­de­run­gen basie­ren.

SPS-Inge­nieur

erkennt schnell Poten­zia­le zur Ver­ein­fa­chung und Stan­dar­di­sie­rung und fin­det Wege, unnö­ti­ge Arbeit zu redu­zie­ren.

Ich ent­wick­le Tools, die ande­ren Inge­nieu­ren die Arbeit erleich­tern.

Ist dir etwas auf­ge­fal­len?

Es wur­de prak­tisch kei­ne Tech­no­lo­gie erwähnt. Und trotz­dem hast du wahr­schein­lich sofort ein ziem­lich kla­res Bild davon, wie die­se Men­schen arbei­ten.


03 Und was ist, wenn der Markt in der Krise steckt?

Mei­ne Erfah­rung und die mei­ner Kun­den zei­gen mir:

Je grö­ßer die Kri­se, des­to wich­ti­ger wird der Blick nach innen.

Kri­sen­zei­ten sind anstren­gend und nie­mand mag sie. Jeder wünscht sich, dass sie end­lich vor­bei sind. Das Inter­net — und ganz beson­ders Lin­ke­dIn — ist vol­ler Tipps, wel­che KI-Auto­ma­ti­sie­rung für die Kalt­ak­qui­se dir end­lich Pro­jek­te bringt oder was du tun musst, damit Recrui­ter nicht sofort wei­ter­scrol­len.

Das sind aber kei­ne Stra­te­gien, die dich lang­fris­tig wei­ter­brin­gen. Das Ein­zi­ge, was wirk­lich kri­sen­si­cher sein kann, ist ein Weg, der auf dei­nen größ­ten Stär­ken auf­baut.

Aber ich arbeite doch nicht im luftleeren Raum.

Talen­te, Beru­fung, per­sön­li­che Ent­wick­lung, ande­ren hel­fen – das klingt alles schön. Aber was ist, wenn es ein­fach zu weni­ge Pro­jek­te gibt?

Im Ver­gleich zu 2022 gibt es heu­te deut­lich weni­ger Pro­jek­te. Bran­chen wie Auto­mo­ti­ve ste­cken tief in der Kri­se und zie­hen vie­le angren­zen­de Berei­che mit nach unten. Das stimmt.

Trotz­dem gibt es wei­ter Unter­neh­men, die Pro­jek­te haben. Und es gibt Bran­chen, in die du einen gro­ßen Teil dei­ner Fähig­kei­ten erfolg­reich über­tra­gen kannst. Du wirst nicht von heu­te auf mor­gen zu einem wert­lo­sen Men­schen auf dem Arbeits­markt, weil dei­ne bis­he­ri­ge Bran­che in der Kri­se ist.

Der Markt hat sich verändert. Und mit ihm auch die Spielregeln.

Vor ein paar Jah­ren konn­test du auch ohne eine kla­re Posi­tio­nie­rung erfolg­reich sein. Gro­ße Kon­zer­ne haben kon­ti­nu­ier­lich Pro­jek­te aus­ge­schrie­ben, der Markt war groß genug, Ver­mitt­ler haben vie­le Türen geöff­net.

Heu­te sieht der Markt anders aus. Vie­le die­ser Unter­neh­men ste­hen unter Kos­ten­druck oder bau­en Stel­len ab. Gleich­zei­tig ent­ste­hen neue Chan­cen, aber oft im Mit­tel­stand oder in Bran­chen, die bis­her viel­leicht gar nicht auf dei­nem Radar waren, dei­ne Erfah­run­gen aber sehr gut gebrau­chen kön­nen. Genau hier kom­men Posi­tio­nie­rung und Netz­wer­ken ins Spiel. Das eine funk­tio­niert ohne das ande­re nur sel­ten.


04 Positionierung trifft Markt.

Posi­tio­nie­rung fin­det nie­mals los­ge­löst vom Markt statt. Die Ana­ly­se ver­schie­de­ner Markt­seg­men­te und ihrer Chan­cen gehört zwin­gend zum Posi­tio­nie­rungs­pro­zess.

Wür­de Posi­tio­nie­rung nur aus einer Beschrei­bung dei­ner Talen­te und Tech­no­lo­gien bestehen, wür­de sie dir wahr­schein­lich weder mehr Kun­den noch bes­se­re Pro­jek­te brin­gen.

Der eigent­li­che Trick besteht dar­in, die rich­ti­gen Seg­men­te und pro­blem­ori­en­tier­te Nischen zu fin­den, die den Wert dei­ner Fähig­kei­ten sehen und bereit sind, dafür zu bezah­len.

Ist das ein­fach? Nein.

Genau hier beginnt aber erfolg­rei­che Akqui­se. Nicht in Auto­ma­ti­sie­run­gen und auch nicht im mas­sen­haf­ten Ver­schi­cken von Lin­ke­dIn-Nach­rich­ten.

Posi­tio­nie­rung bedeu­tet nicht, die rich­ti­ge Tech­no­lo­gie zu fin­den. Sie bedeu­tet, den rich­ti­gen Platz für dei­ne Talen­te im Markt zu fin­den.


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